
Was ein barrierefreies PDF wirklich ist, was das Gesetz verlangt, wie die Struktur unter der Seite funktioniert und wie Sie Ihre eigenen Dateien prüfen. In klarer Sprache, ohne Auslassungen.
Dieser Leitfaden richtet sich an alle, denen gerade gesagt wurde, dass ihre Dokumente barrierefrei sein müssen, und die das Thema verstehen wollen, bevor sie Geld dafür ausgeben. Kommunikationsabteilungen, Verlage, Inhouse-Grafik, Projektmanagement in Übersetzungsagenturen. Vorkenntnisse sind nicht nötig, und jeder Fachbegriff wird im Glossar am Ende erklärt.
Der Leitfaden ist kostenlos, er enthält kein Tracking, und er steht vollständig auf einer Seite. Lesen Sie ihn von vorne bis hinten oder springen Sie über das Inhaltsverzeichnis direkt zu dem, was Sie brauchen.
Ein PDF ist barrierefrei, wenn alle Menschen es lesen, verstehen und darin navigieren können. Das schließt Menschen ein, die einen Screenreader benutzen, Menschen mit Sehbehinderung, Menschen mit motorischen Einschränkungen und Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen.
Stellen Sie sich ein Gebäude vor. Ein Eingang, zu dem nur Stufen führen, schließt alle aus, die diese Stufen nicht steigen können. Eine Rampe neben den Stufen macht denselben Eingang für alle nutzbar, nicht nur für Menschen, die gehen können.
Ein barrierefreies PDF funktioniert genauso. Für die meisten Lesenden sieht es aus wie jedes andere PDF. Unter der sichtbaren Ebene trägt es eine bewusst angelegte Struktur, mit der assistive Technologien das Dokument interpretieren und in einer sinnvollen Reihenfolge vorlesen können.
Die erste Zahl ist die wichtigste, weil sie aus Deutschland stammt und einen Sektor beschreibt, der seit Jahren gesetzlich verpflichtet ist. Neun von zehn Dokumenten, die deutsche Behörden veröffentlichen, erfüllen die Anforderungen nicht. Das ist kein Nischenproblem und auch kein Versehen einzelner Häuser. Es ist der Normalzustand.
Die meisten PDFs, die aus Word, InDesign oder Canva exportiert werden, sind nicht automatisch barrierefrei. Ein barrierefreies PDF entsteht durch bewusste Arbeit während der Erstellung. Beim Export passiert es nicht von selbst.
PDF/UA (Universal Accessibility) ist die internationale Norm für barrierefreie PDF-Dokumente. Sie legt fest, was ein barrierefreies PDF enthalten muss, von der Verschlagwortung der Struktur bis zu den Metadaten.
ISO 14289 ↗Barrierefreiheit von Beginn an einzubauen ist deutlich günstiger, als sie später nachzurüsten. Jede Minute, die jetzt in die Struktur fließt, spart später Stunden an Nachbearbeitung.
Das Wort Behinderung lässt das Thema nach einer Randgruppe klingen. Das ist es nicht. Barrierefreie Dokumente nützen einer deutlich größeren Gruppe, als die meisten Organisationen annehmen, und mehrere dieser Gruppen sitzen bereits in Ihrer Leserschaft.
Nutzen einen Screenreader, der jedes Element ansagt. Ein schlecht getaggtes PDF wird dabei zu einem unverständlichen Durcheinander von Textfragmenten.
Vergrößern auf 200 % oder 400 %. Sie brauchen skalierbaren Text und einen funktionierenden Umbruch, damit das Dokument bei großer Darstellung nicht auseinanderfällt.
Bedienen das Gerät allein über die Tastatur oder über Spezialtasten. Sie brauchen eine logische Tabulatorreihenfolge und Formulare, die sich tatsächlich ausfüllen lassen.
Klare Struktur, verständliche Sprache und eine logische Lesereihenfolge helfen Menschen mit Legasthenie, ADHS oder kognitiven Beeinträchtigungen.
Altersbedingte Veränderungen beim Sehen und Hören betreffen mehr als 40 % der über 60-Jährigen. Barrierefreies Gestalten deckt diesen Bedarf mit ab.
Gut strukturierte PDFs verhalten sich auf kleinen Bildschirmen deutlich besser. Dieselbe Struktur hilft allen, auf jedem Gerät.
Denken Sie an die abgesenkte Bordsteinkante. Gebaut wurde sie für Rollstuhlfahrende. Genutzt wird sie heute von allen mit Kinderwagen, Sackkarre, Fahrrad oder Rollkoffer. Barrierefreiheit ist gutes Gestalten für alle.
Wer ein Baby auf dem Arm hält, in greller Sonne liest oder in einem lauten Büro sitzt: Jeder Mensch hat zeitweise Bedarf an Barrierefreiheit. Barrierefreie PDFs decken auch diese Situationen ab.
Barrierefreie PDF-Dokumente sind in immer mehr Situationen gesetzlich vorgeschrieben. Es gibt dafür aber keine einzelne, pauschale Regel. Wer Ihnen erzählt, dass jedes PDF in Ihrem Haus jetzt rechtswidrig ist, will Ihnen etwas verkaufen. Entscheidend ist, welche Regel für Sie gilt, denn davon hängt ab, was Sie tatsächlich tun müssen.
Für öffentliche Stellen gilt die Pflicht am längsten. Die EU-Richtlinie 2016/2102 über die Barrierefreiheit von Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen ist in Deutschland über das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) umgesetzt.
Für PDFs ist eine Stelle besonders wichtig: § 2a BITV 2.0 definiert Dokumente ausdrücklich als Bestandteil von Websites, mobilen Anwendungen und elektronisch unterstützten Verwaltungsabläufen. Briefe, Formulare, Arbeitsblätter, Berichte, Präsentationen. Die Pflicht endet also nicht an der Seite, auf der ein PDF verlinkt ist. Sie erfasst das PDF selbst.
Die BITV 2.0 beschreibt seit 2019 nicht mehr selbst, wie Barrierefreiheit technisch auszusehen hat. Sie verweist auf die harmonisierten europäischen Normen, konkret auf die EN 301 549. Wer wissen will, was konkret gefordert ist, landet damit unweigerlich bei WCAG und PDF/UA.
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) setzt den European Accessibility Act (Richtlinie (EU) 2019/882) in deutsches Recht um und gilt seit dem 28. Juni 2025.
Das BFSG ist keine allgemeine Regel für Unternehmensdokumente. Es erfasst eine definierte Liste von Produkten und Dienstleistungen für Verbraucherinnen und Verbraucher: elektronischer Geschäftsverkehr, E-Books, Bankdienstleistungen, Personenverkehr, Telekommunikation, Ticketsysteme. Wo eine erfasste Dienstleistung Dokumente an Verbraucher ausgibt, sind diese Dokumente erfasst. E-Books sind ausdrücklich genannt, was Verlage unmittelbar betrifft.
Die Ausnahme, nach der Unternehmen zuerst fragen, betrifft Kleinstunternehmen. Nach § 3 Absatz 3 BFSG fallen Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten oder erbringen, nicht unter das Gesetz. § 2 Nummer 17 definiert sie als Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und entweder höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder höchstens 2 Millionen Euro Jahresbilanzsumme. Zwei Punkte werden dabei regelmäßig falsch gelesen. Die Ausnahme gilt nur für Dienstleistungen: Ein Kleinstunternehmen, das erfasste Produkte in Verkehr bringt, bleibt gebunden. Und sie ist keine allgemeine Befreiung kleiner Unternehmen von Barrierefreiheit, sondern nur eine Befreiung von diesem einen Gesetz.
Zwei weitere Ausnahmen gibt es, für eine grundlegende Veränderung des Produkts oder der Dienstleistung und für eine unverhältnismäßige Belastung. Beide verlangen eine dokumentierte Begründung, die mindestens alle fünf Jahre überprüft werden muss. Keine von beiden ist eine Abkürzung.
Verstöße können nach § 37 BFSG mit Bußgeldern bis zu 100.000 Euro geahndet werden, und die Marktüberwachungsbehörde kann die Einstellung einer Dienstleistung anordnen. In der Praxis ist der erste Kontakt aber meist ein anderer: eine Abmahnung durch eine Stelle, die dazu berechtigt ist.
Die EN 301 549 ist die europäische Norm für barrierefreie Informations- und Kommunikationstechnik. Für Dokumente verweist sie auf WCAG und PDF/UA. Sie ist die verbindliche Referenz in der öffentlichen Beschaffung und steht zunehmend auch in privatwirtschaftlichen Verträgen.
Das ist der Weg, der wirtschaftlich zählt, und die meisten Leitfäden lassen ihn aus. Die wenigsten Übersetzungsagenturen und Grafikbüros sind selbst gesetzlich verpflichtet. Sie treffen auf PDF/UA, weil ein Kunde die Anforderung über eine Ausschreibung geerbt und als Vertragsklausel in die Lieferkette weitergereicht hat. Wer zuliefert, sollte deshalb nicht fragen, ob das Gesetz für ihn selbst gilt, sondern ob es für seinen Kunden gilt.
Außerhalb Europas ist vor allem Section 508 des US-amerikanischen Rehabilitation Act relevant, der für Bundesbehörden und deren Auftragnehmer gilt. Für deutsche Auftragnehmer wird das nur zum Thema, wenn ein Kunde in den USA sitzt oder dorthin liefert.
Fast keines dieser Gesetze enthält das Wort PDF. Sie fordern barrierefreie digitale Inhalte und verweisen auf Normen. Die Normen sagen dann PDF/UA und WCAG. Dort liegt die eigentliche technische Pflicht, und deshalb ist eine Vertragsklausel mit Verweis auf die EN 301 549 in der Praxis genauso bindend wie ein Gesetz.
| Wenn Sie | Rechtsgrundlage | Was erfasst ist |
|---|---|---|
| eine öffentliche Stelle in Deutschland oder der EU sind | Richtlinie (EU) 2016/2102, BGG, BITV 2.0 | Dokumente als Bestandteil von Websites, Apps und Verwaltungsabläufen |
| erfasste Produkte oder Dienstleistungen an Verbraucher verkaufen | European Accessibility Act, in Deutschland das BFSG | Dokumente als Bestandteil der erfassten Dienstleistung, E-Books |
| ein Kleinstunternehmen mit Dienstleistungen sind | Ausnahme nach § 3 Absatz 3 BFSG | Außerhalb des BFSG, aber nicht außerhalb Ihrer Kundenverträge |
| an eine der genannten Stellen zuliefern | EN 301 549, über Vertrag oder Ausschreibung | Was der Vertrag festlegt, in der Regel PDF/UA und WCAG AA |
| eine US-Bundesbehörde oder deren Auftragnehmer sind | Section 508 | Informationstechnik einschließlich PDFs |
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz setzt den European Accessibility Act um und gilt seit dem 28. Juni 2025 für erfasste Produkte und Dienstleistungen.
Gesetzestext lesen ↗Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung regelt die Anforderungen für öffentliche Stellen. § 2a erfasst Dokumente ausdrücklich.
Verordnung lesen ↗Die europäische Norm für barrierefreie Informationstechnik. Sie verweist auf WCAG und PDF/UA, ist in der öffentlichen Beschaffung verbindlich und steht zunehmend in privaten Verträgen.
EN 301 549 herunterladen ↗Ein Denkmodell hilft an dieser Stelle. Stellen Sie sich jedes PDF als Dokument mit zwei Ebenen vor.
Die sichtbare Ebene ist das, was Sie auf dem Bildschirm sehen. Typografie, Bilder, Spalten, Farbe, alles, was ein Dokument so aussehen lässt, wie es aussieht.
Die logische Ebene ist unsichtbar. Sie besteht aus Anweisungen, die der Software sagen: Dieser Text ist eine Überschrift, dieses Bild zeigt ein Balkendiagramm, diese Tabelle hat eine Kopfzeile, lies diesen Absatz vor jenem.
Screenreader ignorieren die sichtbare Ebene vollständig. Sie stützen sich ausschließlich auf die logische Ebene, um das Dokument zu verstehen. Fehlt diese Ebene, oder ist sie falsch oder unvollständig, bekommt die lesende Person Unsinn zu hören.
Ein optisch schönes PDF kann vollständig unzugänglich sein, und ein barrierefreies PDF sieht für die meisten Lesenden aus wie jedes andere PDF. Barrierefreiheit ist unsichtbare Infrastruktur.
Tags legen fest, was jedes Element ist: Überschrift, Absatz, Liste, Tabelle, Abbildung. Ohne sie ist das Dokument für assistive Technologien ein flaches, strukturloses Bild von Text.
Die Reihenfolge, in der vorgelesen wird, muss der logischen Reihenfolge des Dokuments entsprechen, nicht dem visuellen Layout. Bei mehrspaltigen und komplexen Layouts geht das regelmäßig schief.
Jedes inhaltlich relevante Bild braucht eine Beschreibung. Dekorative Bilder müssen ausdrücklich als dekorativ gekennzeichnet werden, damit sie übersprungen werden.
Titel und Sprache sagen dem Screenreader, in welchem Dokument er sich befindet und mit welcher Stimme und welchen Ausspracheregeln er es vorlesen soll.
Der schnellste Weg, PDF-Barrierefreiheit zu verstehen, ist, sie zu hören. Installieren Sie NVDA, kostenlos für Windows, oder schalten Sie VoiceOver ein, das in macOS und iOS bereits eingebaut ist, und versuchen Sie, eines Ihrer eigenen PDFs zu bedienen, ohne auf den Bildschirm zu sehen.
Tags sind das wichtigste Barrierefreiheitsmerkmal in einem PDF. Es sind unsichtbare Auszeichnungen an jedem Element des Dokuments, die beschreiben, was dieses Element ist. Nicht, wie es aussieht, sondern welche Rolle es spielt.
In der deutschsprachigen Praxis spricht man von Tags oder Strukturelementen, ihre Gesamtheit heißt Tag-Baum. Mit Schlagwörtern im Sinne einer Verschlagwortung hat das nichts zu tun, auch wenn manche Übersetzungen das nahelegen.
Tags entsprechen den Elementen einer Website: <h1> für eine Hauptüberschrift, <p> für einen Absatz, <ul> für eine Aufzählung. PDF-Tags leisten dasselbe für ein Dokument.
| Tag | Bedeutung | Warum es zählt |
|---|---|---|
<H1> bis <H6> | Überschriften | Screenreader-Nutzende springen von Überschrift zu Überschrift durch ein Dokument, so wie Sehende ein Inhaltsverzeichnis überfliegen |
<P> | Absatz | Normaler Fließtext. Ohne dieses Tag werden Textblöcke als eine durchgehende Zeile vorgelesen oder ganz übersprungen |
<L> <LI> | Liste und Listenelement | Der Screenreader kündigt „Liste mit fünf Einträgen“ an und gibt damit Kontext, bevor er den ersten Eintrag vorliest |
<Table> <TR> <TH> <TD> | Tabellen | Ohne Tabellen-Tags werden Daten als Strom zusammenhangloser Zellen vorgelesen, ohne Zeilen- oder Spaltenbezug |
<Figure> | Bild oder Grafik | Markiert die Stelle, an der ein Bild steht, damit ein Alternativtext daran hängen kann |
<Artifact> | Dekoratives Element | Weist den Screenreader an, das Element zu überspringen. Für Seitenzahlen, Linien und Schmuckelemente |
<Link> | Hyperlink | Macht Links erkennbar und über die Tastatur bedienbar |
Tags müssen richtig sein, nicht nur vorhanden. Eine Überschrift, die als Absatz getaggt ist, bleibt unzugänglich. Auf der Seite ist sie groß und fett, aber ein Screenreader bietet sie nicht als Sprungmarke an.
PDF 2.0 (ISO 32000-2) hat einen erweiterten und präziseren Tag-Satz eingeführt. Für neue barrierefreie PDFs ist PDF 2.0 das sinnvolle Ziel, weil aktuelle assistive Technologien damit am besten zurechtkommen.
ISO 32000-2 ↗Öffnen Sie in Adobe Acrobat Anzeige, dann Ein-/Ausblenden, dann Navigationsfenster, dann Tags. Damit sehen Sie den Tag-Baum jedes beliebigen PDFs. Dieser Baum ist genau das, was ein Screenreader sieht.
Jedes Bild in einem PDF fällt in eine von zwei Kategorien: inhaltlich relevant oder dekorativ. Die Behandlung unterscheidet sich vollständig.
Sie tragen Informationen, die sonst nirgendwo im Dokument stehen. Ein Diagramm, ein Produktfoto, die Darstellung eines Ablaufs, eine Unterschrift. Sie brauchen einen Alternativtext, also eine geschriebene Beschreibung, die dieselbe Information vermittelt wie das Bild selbst.
Schreiben Sie nicht „Bild eines Diagramms“. Schreiben Sie, was das Diagramm zeigt: „Balkendiagramm, das einen Umsatzanstieg von 40 % von Q1 auf Q4 2023 zeigt“. Es geht darum, die Bedeutung zu vermitteln, nicht darum festzuhalten, dass ein Bild vorhanden ist.
Zierlinien, Hintergrundformen, rein ästhetische Illustrationen. Sie tragen keine Information und sollten im Tag-Baum als Artifact gekennzeichnet werden. Damit überspringen Screenreader sie vollständig, und das Vorlesen bleibt frei von bedeutungslosen Beschreibungen.
Diagramme und Infografiken sind die am häufigsten unzugänglichen Bilder in PDFs. Ein komplexes Diagramm ohne Alternativtext ist für Screenreader-Nutzende schlicht nicht vorhanden. Jeder Datenpunkt, jede Entwicklung und jede Schlussfolgerung muss als Text existieren, entweder im Alternativtext oder als Bildunterschrift oder Tabelle in der Nähe der Grafik.
Bei detaillierten Schaubildern, Infografiken und Datendiagrammen reicht eine einzelne Beschreibung selten aus. Drei Möglichkeiten, die sich gut kombinieren lassen:
Ein Logo, das nur als Marke in der Kopfzeile steht, ist in der Regel dekorativ. Dasselbe Logo in einer Partnerliste, wo es ein Unternehmen benennt, ist inhaltlich relevant. Der Kontext entscheidet, nicht das Bild.
Aktuelle Werkzeuge erzeugen Alternativtexte automatisch. Sie beschreiben, was sie sehen, nicht was das Bild im Kontext bedeutet. Behandeln Sie das Ergebnis als ersten Entwurf und prüfen Sie jede Zeile.
Das ist der Punkt, der die meisten Menschen überrascht. Ein PDF kann auf dem Bildschirm vollkommen logisch aussehen, mit Spalten von links nach rechts, Bildunterschriften unter den Bildern und Überschriften vor dem Fließtext, während die Lesereihenfolge in der Datei etwas völlig anderes sagt.
Screenreader folgen der Reihenfolge in der Dateistruktur, nicht dem visuellen Layout. Ein zweispaltiges PDF liest womöglich erst die ganze erste Spalte und dann die ganze zweite, oder es springt zwischen beiden hin und her. Eine Bildunterschrift wird vor dem Bild vorgelesen, zu dem sie gehört. Ein Marginaltext unterbricht mitten im Satz.
Die meisten Layoutprogramme speichern Elemente in der Reihenfolge, in der sie angelegt wurden, nicht in der Reihenfolge, in der sie gelesen werden sollen. Wer ein Zitat einfügt, nachdem der Fließtext fertig ist, platziert es in der Dateistruktur hinter dem Fließtext, auch wenn es optisch mitten im Absatz steht.
Bei allem, was komplexer ist als eine einzelne Spalte, muss die Lesereihenfolge bewusst festgelegt werden. In Acrobat Pro geschieht das über das Werkzeug für die Lesereihenfolge oder über das Tags-Fenster. In InDesign geschieht es über das Artikel-Bedienfeld, und zwar vor dem Export. Der Weg über InDesign ist der deutlich günstigere von beiden.
Die Grundregel lautet: Die Lesereihenfolge in der Datei muss der logischen Lesereihenfolge des Dokuments entsprechen, unabhängig davon, wie die Inhalte auf der Seite angeordnet sind.
Öffnen Sie das PDF im Acrobat Reader und drücken Sie wiederholt die Tabulatortaste. Die Elemente werden in genau der Reihenfolge hervorgehoben, in der ein Screenreader ihnen begegnet. Springt die Hervorhebung wild über die Seite, stimmt die Lesereihenfolge nicht.
Mehrere Spalten sind die mit Abstand häufigste Ursache für Probleme mit der Lesereihenfolge. Prüfen Sie sie bei jedem Dokument mit mehr als einer Spalte, so einfach es auch aussieht.
Die Web Content Accessibility Guidelines sind das international anerkannte Regelwerk für digitale Barrierefreiheit. Geschrieben wurden sie für Websites, sie gelten aber ebenso für PDF-Dokumente, und sie sind in praktisch jedem nationalen Gesetz zur Barrierefreiheit als Referenz verankert.
Die WCAG ruhen auf vier Prinzipien: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust. Im Englischen dient das Kunstwort POUR als Merkhilfe dafür.
Informationen müssen so darstellbar sein, dass Menschen sie wahrnehmen können, auch auf nicht visuellem Weg.
Alle Funktionen müssen bedienbar sein, zum Beispiel über die Tastatur und nicht ausschließlich mit der Maus.
Inhalt und Bedienung müssen verständlich sein: klare Sprache, vorhersehbare Struktur.
Inhalte müssen von einer breiten Palette assistiver Technologien zuverlässig interpretiert werden können, heute und später.
Die WCAG-Kriterien sind in drei Stufen gegliedert. Stufe AA ist die, die von der Gesetzgebung in der Regel verlangt wird.
| Stufe | Bedeutung | Beispiel für PDFs |
|---|---|---|
| A | Minimum. Ohne diese Stufe kommen manche Menschen gar nicht an den Inhalt | Alle Bilder haben Alternativtexte, das Dokument hat einen Titel, die Sprache ist gesetzt |
| AA | Standard. Von den meisten Gesetzen verlangt. Beseitigt erhebliche Barrieren | Kontrast von mindestens 4,5:1, Text auf 200 % vergrößerbar ohne Informationsverlust |
| AAA | Erweitert. Nicht für alle Inhaltsarten erreichbar | Kontrast von mindestens 7:1, Gebärdensprachdolmetschung vorhanden |
Die aktuelle Fassung des W3C ist WCAG 2.2. Rechtlich verbindlich ist in Deutschland aber etwas anderes: Die BITV 2.0 verweist auf die harmonisierten europäischen Normen, also auf die EN 301 549, und die bezieht sich in der derzeit maßgeblichen Fassung auf WCAG 2.1 Stufe AA. Wer nach WCAG 2.2 arbeitet, erfüllt 2.1 automatisch mit. Umgekehrt gilt das nicht.
Text braucht ausreichend Kontrast zum Hintergrund. Das ist eines der am häufigsten verfehlten Kriterien der gesamten digitalen Barrierefreiheit und gleichzeitig eines der am einfachsten zu prüfenden, noch bevor etwas veröffentlicht wird.
Die aktuelle Fassung der Richtlinien, veröffentlicht vom W3C und in der EU, den USA, dem Vereinigten Königreich, Kanada, Australien und vielen weiteren Ländern gesetzlich referenziert.
WCAG 2.2 lesen ↗Der kostenlose Contrast Checker von WebAIM sagt Ihnen sofort, ob zwei Farben WCAG AA oder AAA erfüllen. Gehört als Lesezeichen neben die eigene Farbpalette.
Contrast Checker ↗Farbe darf nie der einzige Träger einer Information sein. Rund 8 % der Männer haben eine Form der Farbfehlsichtigkeit und verpassen jeden Hinweis, der ausschließlich über Farbe läuft.
Ein barrierefreies PDF in einer Sprache wird durch Übersetzung nicht zu zehn barrierefreien PDFs. Alles, was der Tag-Baum trägt, also die deklarierte Sprache, die Alternativtexte, die Lesereihenfolge und der Dokumenttitel, wandert entweder mit der Übersetzung mit oder eben lautlos nicht. Und lautlos ist hier das entscheidende Wort: Fast jeder Fehler in diesem Kapitel erzeugt eine Datei, die durch ein automatisches Prüfprogramm glatt durchgeht.
Ein Screenreader wählt Stimme und Ausspracheregeln anhand der Sprache, die in der Datei deklariert ist. Eine deutsche Stimme, die französischen Text vorliest, klingt nicht nach akzentbehaftetem Französisch. Sie erzeugt unverständliches Geräusch. PDF/UA verlangt, dass die natürliche Sprache des gesamten Textes deklariert ist, auf Dokumentebene und noch einmal für jede Passage in einer anderen Sprache.
Und hier liegt die Falle. In InDesign ist Sprache ein Attribut auf Zeichenebene, das über Absatz- und Zeichenformate mitgeführt wird. Wird eine englische Datei ins Französische übersetzt, sagen diese Formate weiterhin Englisch. Das exportierte PDF deklariert französischen Text als englisch. PAC lässt das durch, denn eine Sprache ist ja deklariert. Es ist nur die falsche.
Darüber liegt eine zweite Falle. Der Funktionsumfang für Nahost-Sprachen schreibt beim Export ar-SA als Sprache auf Dokumentebene, unabhängig davon, worauf das Dokument tatsächlich eingestellt ist. Gleiches Ergebnis: ein gültiges Tag, der falsche Wert, keine Fehlermeldung von irgendeinem Prüfprogramm.
Das ist kein Randfall. Die CAAT-Studie 2026 hat knapp 70.000 PDFs deutscher öffentlicher Stellen geprüft. In 31,6 % davon ist das Sprachattribut fehlerhaft. Das ist der fünfthäufigste Fehler der gesamten Studie. Knapp ein Drittel aller veröffentlichten Dokumente wird also mit der falschen Stimme vorgelesen, und zwar in einem Sektor, der seit Jahren gesetzlich verpflichtet ist, genau das richtig zu machen.
Automatische Werkzeuge prüfen, ob eine Sprache deklariert ist. Nur ein Screenreader sagt Ihnen, ob es die richtige ist. Bei mehrsprachigen Projekten ist ein Durchgang mit NVDA oder VoiceOver deshalb kein optionaler Feinschliff. Er ist der einzige Test, der diese Fehlerklasse überhaupt findet.
Alternativtexte liegen in InDesign in den Objektexportoptionen. Ob sie überhaupt bei der Übersetzerin ankommen, hängt vollständig davon ab, wie der IDML-Filter des CAT-Tools konfiguriert ist. In vielen Standardkonfigurationen werden sie schlicht nicht ausgegeben.
Das Ergebnis ist ein französisches PDF mit englischen Alternativtexten. Prüfprogramm: bestanden. Jede vorgelesene Bildbeschreibung: in der falschen Sprache.
Der Effekt verstärkt sich, weil Alternativtexte meist auch nicht im Wortzählungsumfang der Übersetzung stecken. Niemand hat sie angeboten, also ist niemand dafür zuständig. Dasselbe gilt für den Dokumenttitel in den Metadaten, den der Screenreader noch vor allem anderen ansagt und der so gut wie nie übersetzt wird, dazu Tabellenzusammenfassungen und Linktexte.
Die Lösung ist eine Entscheidung, und zwar bevor die Datei herausgeht: Sind Alternativtexte im Auftragsumfang, gibt der Filter sie aus, und wenn nicht, wer extrahiert sie in eine zweisprachige Datei?
Textexpansion beim Übersetzen (englisch) schiebt Inhalt über das Ende eines Textrahmens hinaus. Übersatztext wird gar nicht erst ins PDF exportiert. Er steht also nicht im Tag-Baum, und es gibt keinen Fehler, den ein Prüfprogramm melden könnte. Der Inhalt existiert einfach nicht.
Einer sehenden Person beim Korrekturlesen fällt vielleicht ein Satz auf, der mitten im Nebensatz abbricht. Einem automatischen Werkzeug niemals. Mehr dazu unter Übersatztext in InDesign (englisch).
Diese beiden Begriffe werden im Deutschen oft synonym verwendet. Sie sind es nicht, und der Unterschied ist genau der Punkt, an dem arabische und hebräische Dokumente scheitern. Die Leserichtung beschreibt, in welche Richtung Schrift verläuft, von links nach rechts oder von rechts nach links. Die Lesereihenfolge beschreibt, in welcher Reihenfolge ein Screenreader die Elemente eines Dokuments abarbeitet.
Ein Layout zu spiegeln, ändert die Leserichtung und damit das Aussehen der Seite. An dem, was im Tag-Baum stehen muss, ändert es nichts. Der typische Fehler ist ein sauber gespiegeltes arabisches Layout, dessen Artikel-Bedienfeld nie überarbeitet wurde. Die Lesereihenfolge folgt dann immer noch der Reihenfolge, in der die ursprünglichen Elemente von links nach rechts angelegt wurden.
Die andere Hälfte des Problems ist gemischter Inhalt. Markennamen in lateinischer Schrift, Zahlen und URLs innerhalb eines arabischen Laufs brauchen jeweils die richtige Richtungsbehandlung, sonst werden sie rückwärts vorgelesen.
Zwei Hinweise aus der Praxis. Prüfen Sie die Textebene über den Export als Text (barrierefrei), nicht über Kopieren und Einfügen. Aus InDesign-Ausgaben mit Nahost-Funktionen ist Kopieren und Einfügen unzuverlässig. Und behandeln Sie die arabische Schrift selbst als Variable: Manche Schriftschnitte zerlegen diakritische Zeichen so, dass die ToUnicode-Zuordnung bricht. Die Seite wird dann einwandfrei dargestellt, während der extrahierte Text unbrauchbar ist. Kein Prüfprogramm meldet das. Mehr dazu unter Rechts-nach-links-Sprachen in InDesign (englisch) und Schriften im mehrsprachigen DTP (englisch).
Bei CJK ist die Größe, die den Platzbedarf vorhersagt, das Verhältnis von Schriftgrad zu Zeilenabstand, nicht die Zeichenzahl. Deshalb scheitern Schätzungen, die auf Wortzahlen beruhen. Kinsoku-Regeln für den Zeilenumbruch müssen ausdrücklich zugewiesen werden. Ein Format, dem kein Kinsoku-Satz zugewiesen ist, hat nichts, worauf es sich stützen könnte.
Bei Devanagari kann der World-Ready-Absatzsetzer in InDesign in der barrierefreien Textebene doppelte Kombinationszeichen und Ersatzzeichen erzeugen, während die Seite selbst vollkommen korrekt aussieht.
Das Muster wiederholt sich: Die Seite stimmt, die Textebene stimmt nicht, das Prüfprogramm ist zufrieden.
Barrierefreiheit, die in der InDesign-Quelldatei angelegt ist, also Tags, Alternativtexte, Lesereihenfolge und Sprache, wandert in jede exportierte Sprachfassung mit. Wer stattdessen fertige PDFs nachbearbeitet, zahlt die vollständige Nachbearbeitung einmal pro Sprache, mit Ergebnissen, die im Lauf der Zeit immer weiter auseinanderdriften.
Dieselbe deutsche Studie belegt das von der anderen Seite. Sie hat jedes Dokument danach gruppiert, mit welcher Software es erstellt und mit welcher es exportiert wurde. InDesign, exportiert über die Adobe PDF Library, macht 18,2 % aller geprüften Dokumente aus und kommt auf 7,7 % Konformität. Word, exportiert über axesWord, ein eigens für barrierefreie PDFs gebautes Exportwerkzeug, kommt auf 73 %. Nicht das Autorenwerkzeug entscheidet also über das Ergebnis, sondern der Exportweg. Und ein Exportweg lässt sich einmal einrichten und danach immer wieder verwenden.
Ein Einrichtungsdurchgang, danach pro Sprache nur noch eine kurze Prüfung.
Eine vollständige Nachbearbeitung pro Sprache, jedes Mal neu, ohne gemeinsame Struktur.
Bei mehrsprachiger Barrierefreiheit ist die automatische Prüfung das schwächste Glied, weil nahezu jeder Fehlertyp eine technisch gültige Datei erzeugt. Die Tests, die tatsächlich funktionieren, sind ein Screenreader und eine muttersprachliche Person.
Ansehen sagt Ihnen über Barrierefreiheit nichts. Sie brauchen Werkzeuge, die die Struktur unter der Seite untersuchen, und Sie brauchen einen Menschen, der sich das Ergebnis anhört. Beides, nicht eines von beidem.
In Acrobat Pro eingebaut. Prüft automatisch gegen PDF/UA- und WCAG-Kriterien. Ein vernünftiger erster Durchgang, keine vollständige Prüfung.
Adobe-Dokumentation ↗Der PDF Accessibility Checker, kostenlos für Windows und das gründlichste verfügbare automatische Prüfprogramm. Die Fassung 2026 hat KI-gestützte Prüfungen für semantische Struktur ergänzt, unter anderem für Überschriften, Absätze und Tabellen. PAC ist im deutschsprachigen Raum das Werkzeug, an dem Prüfstellen und Behörden messen.
PAC herunterladen ↗Professionelle Testplattform für Barrierefreiheit mit PDF-Unterstützung, verbreitet in Unternehmen und bei Beratungshäusern.
axe DevTools ↗Prüf- und Nachbearbeitungssoftware für große Organisationen, verbreitet in Behörden. Das Unternehmen heißt Allyant, die Software trägt weiterhin den Namen CommonLook.
CommonLook Suite ↗NonVisual Desktop Access. Kostenlos, quelloffen und der weltweit am weitesten verbreitete Screenreader. Unverzichtbar, um zu hören, wie Ihr PDF tatsächlich klingt.
NVDA herunterladen ↗In macOS, iOS und iPadOS eingebaut, nichts zu installieren. Auf dem Mac mit Cmd und F5 einschalten.
VoiceOver-Anleitung ↗In Windows eingebaut, dort Sprachausgabe genannt, international Narrator. Weniger leistungsfähig als NVDA oder JAWS, aber brauchbar für einen schnellen Test ohne Installation.
Automatische Werkzeuge prüfen, was eine Maschine prüfen kann: dass ein Tag vorhanden ist, dass ein Attribut existiert, dass ein Wert formal korrekt aufgebaut ist. Sie können Ihnen nicht sagen, ob es das richtige Tag ist, ob der Alternativtext das Bild beschreibt oder ob die deklarierte Sprache zum Text passt.
Kapitel 9 ist der Beleg dafür. Jeder dort beschriebene Fehlertyp erzeugt eine Datei, die PAC durchgehen lässt.
Zuerst PAC laufen lassen, um strukturelle Fehler schnell auszuräumen, danach den manuellen Screenreader-Durchgang für die logischen Probleme, die ein Programm nicht sehen kann. Andersherum verschwenden Sie den Hördurchgang auf Fehler, die eine Maschine gefunden hätte.
JAWS von Freedom Scientific ist der am weitesten verbreitete Screenreader in Unternehmen, bei über 1.000 US-Dollar im Jahr. NVDA ist die kostenlose Alternative, die die meisten privaten Nutzenden einsetzen, und deshalb das sinnvolle Werkzeug zum Testen.
Über JAWS ↗Gehen Sie diese Punkte durch, bevor ein PDF das Haus verlässt. Sie deckt die Anforderungen ab, auf die es am meisten ankommt. Ein Dokument, das hier überall besteht, ist tatsächlich barrierefrei und nicht nur auf dem Papier konform.
<TH> ausgezeichnete Kopfzeilen und werden nicht als Layoutmittel missbraucht.PDF/UA verlangt eine Konformitätserklärung in den Metadaten des Dokuments. Ohne sie darf ein PDF nicht als PDF/UA-konform bezeichnet werden, selbst wenn es jede technische Prüfung besteht. Die XMP-Kennzeichnung wird in Acrobat gesetzt oder beim Export aus InDesign.
Nach § 7 BITV 2.0 brauchen öffentliche Stellen eine Erklärung zur Barrierefreiheit, die von der Startseite und von jeder Seite einer Website aus erreichbar ist. Sie benennt unter anderem, welche Inhalte noch nicht barrierefrei sind.
BITV 2.0, § 7 ↗Eine Sammlung von 136 Fehlerbedingungen für die PDF/UA-Prüfung. PAC und andere Prüfprogramme nutzen sie als maßgebliche Liste dessen, was ein PDF nicht konform macht.
Matterhorn-Protokoll ↗Zur PDF-Barrierefreiheit gibt es eine aktive Fachgemeinschaft und viel kostenloses, verlässliches Material. Diese Quellen lohnen ein Lesezeichen.
Manche Anbieter verkaufen Overlay-Werkzeuge, die Barrierefreiheit angeblich automatisch herstellen. Für PDFs existiert nichts dergleichen in irgendeiner belastbaren Form. Barrierefreiheit muss in der Dokumentstruktur angelegt sein.
Jeder Fachbegriff aus diesem Leitfaden, in klarer Sprache, an einer Stelle.
Eine geschriebene Beschreibung eines Bildes, die in der Datei gespeichert und von Screenreadern vorgelesen wird. Sie beschreibt, was das Bild vermittelt, nicht wie es aussieht.
Ein Tag, das ein Element als rein dekorativ kennzeichnet. Screenreader überspringen Artifacts vollständig und lesen nichts dazu vor.
Jede Hard- oder Software, die Menschen mit Behinderungen die Nutzung von Technik ermöglicht: Screenreader, Braillezeilen, Spezialtasten, Sprachsteuerung und mehr.
Der Grundsatz, dass Produkte, Dienstleistungen und Dokumente von allen Menschen nutzbar sein sollen, unabhängig von Fähigkeiten, Behinderungen oder der Technik, mit der sie darauf zugreifen.
Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, die deutsche Umsetzung des European Accessibility Act, in Kraft seit dem 28. Juni 2025. Es erfasst eine definierte Liste von Produkten und Dienstleistungen für Verbraucher, mit einer Ausnahme für Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen.
Behindertengleichstellungsgesetz. Die gesetzliche Grundlage für Barrierefreiheit bei öffentlichen Stellen des Bundes. Die technischen Anforderungen konkretisiert die darauf gestützte BITV 2.0.
Text, der Rechts-nach-links- und Links-nach-rechts-Schriften in einem Lauf mischt, zum Beispiel ein lateinischer Markenname in einem arabischen Satz. Ohne ausdrückliche Richtungsbehandlung wird er in falscher Reihenfolge dargestellt und vorgelesen.
Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung. Sie legt die Anforderungen für öffentliche Stellen fest, verweist dafür auf die EN 301 549 und erfasst in § 2a Dokumente ausdrücklich als Bestandteil von Websites.
Die europäische Norm für barrierefreie Informations- und Kommunikationstechnik. Sie verweist auf WCAG und PDF/UA, ist in der öffentlichen Beschaffung verbindlich und steht zunehmend als Klausel in privatwirtschaftlichen Verträgen.
Eine Zahl, die ausdrückt, wie stark sich zwei Farben in ihrer Helligkeit unterscheiden. WCAG AA verlangt mindestens 4,5:1 für Fließtext. Mehr ist leichter lesbar.
Japanische Regeln für den Zeilenumbruch, die festlegen, welche Zeichen nicht am Zeilenanfang oder Zeilenende stehen dürfen. In InDesign werden sie über einen Kinsoku-Satz im Absatzformat zugewiesen. Ohne zugewiesenen Satz bricht CJK-Text an falschen Stellen um.
Die Reihenfolge, in der ein Screenreader den Inhalten eines PDFs begegnet. Sie muss der logischen Reihenfolge des Dokuments entsprechen, unabhängig von der Anordnung auf der Seite. Nicht zu verwechseln mit der Leserichtung.
Die Richtung, in der eine Schrift verläuft: von links nach rechts wie im Deutschen oder von rechts nach links wie im Arabischen und Hebräischen. Eine visuelle Eigenschaft. Sie sagt nichts darüber aus, in welcher Reihenfolge ein Screenreader die Elemente abarbeitet.
Eine Liste von 136 Fehlerbedingungen für PDF/UA, die PAC und andere Prüfprogramme als maßgebliche technische Referenz dafür nutzen, was ein PDF nicht konform macht.
Im Englischen Remediation. Die nachträgliche Reparatur eines nicht barrierefreien PDFs, damit es die Norm erfüllt. In der Regel heißt das: Tags ergänzen, die Lesereihenfolge korrigieren und Alternativtexte schreiben, nachdem die Datei bereits fertig ist.
PDF Accessibility Checker, ein kostenloses Windows-Programm, das PDFs gegen PDF/UA und WCAG prüft. Die Fassung 2026 hat KI-gestützte Prüfungen für semantische Struktur ergänzt, etwa für Überschriften, Absätze und Tabellen.
Die internationale Norm für universell zugängliche PDF-Dateien. Sie legt fest, welche technischen Anforderungen ein PDF erfüllen muss, um als barrierefrei zu gelten.
Software, die Text und Dokumentstruktur in Sprache oder Braille umsetzt. NVDA und JAWS unter Windows, VoiceOver auf Apple-Geräten. Genutzt von blinden Menschen, Menschen mit Sehbehinderung und Menschen mit Leseeinschränkungen. Nicht zu verwechseln mit einem Bildschirmlesegerät, das ein Gerät zur optischen Vergrößerung ist.
Der Code, der die natürliche Sprache eines Dokuments oder einer Passage angibt, zum Beispiel de-DE oder ar-SA. Screenreader wählen danach Stimme und Aussprache. Ein falsches Attribut besteht die automatische Prüfung trotzdem.
Tags, auch Strukturelemente, sind unsichtbare Auszeichnungen an jedem Element eines barrierefreien PDFs. Sie legen fest, was das Element ist: Überschrift, Absatz, Liste, Tabelle, Bild, Link. Ihre Gesamtheit heißt Tag-Baum und ist genau das, was ein Screenreader sieht.
Eine Zuordnung innerhalb des PDFs, die Software sagt, welches Unicode-Zeichen hinter jeder Glyphe steht. Ist sie beschädigt, wird die Seite einwandfrei dargestellt, während der extrahierte Text, den ein Screenreader tatsächlich vorliest, unbrauchbar ist.
Die logische Verschachtelung von Überschriften: H1 für den Titel, H2 für Hauptabschnitte, H3 für Unterabschnitte. Screenreader-Nutzende navigieren durch Dokumente, indem sie von Überschrift zu Überschrift springen.
Web Content Accessibility Guidelines, der globale Standard für digitale Barrierefreiheit, herausgegeben vom W3C und weltweit in nationales Recht einbezogen. Die aktuelle Fassung ist WCAG 2.2. Sie ruht auf vier Prinzipien: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust, im Englischen als POUR abgekürzt.
Extensible Metadata Platform, der Standard zum Einbetten von Metadaten in Dateien. In PDFs enthalten sie Titel, Sprache, Urheber und die PDF/UA-Konformitätserklärung.
Wir bearbeiten Dokumente nach PDF/UA und WCAG 2.1 AA, in einer Sprache oder in zwanzig, einschließlich Arabisch, Hindi und CJK. Prüfung, Nachbearbeitung und barrierefreie InDesign-Quelldateien, die auch nach der Übersetzung barrierefrei bleiben.
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